RADPLAN DELTA
 
SCHMIERUNG
 
Es führen tatsächlich viele Wege nach Rom, unterschiedlich in jeder Art. Wenn hier einige Abschmiertipps gegeben werden, so soll das nur ein bescheidener Vorschlag sein, wie wir hier Probleme lösen, und wenn woanders bessere Technik existiert: schön, vielleicht erfahren wir etwas davon. Wir können zwar immer noch nicht über Wasser laufen, aber wir arbeiten daran. Im Wesentlichen genügen wenige Grundsubstanzen, um Schmierungsprobleme zu lösen:
 
1) Wenn beide metallischen Partner fest zueinander stehen und bleiben sollen, keine Kontaktkorrosion und Geräusche auftreten sollen, BLUE GREASE. Seien es Lager mit Stahlringen in Aluminium-Nabenkörpern, Alukurbeln auf Titan-Vierkantachsen oder Alu-Lagerschalen in Tretlagergehäusen: da gehörts hin. Teuer, aber geringer Verbrauch. 50 Gramm Dose BLUE GREASE zu 9 €.
 
2) Carbonstützen in Carbonrahmen: dies ist ein tückisches Problem, da Carbon ein organischer Werkstoff ist, mit einem organischen Überzug / Lack. Solche Produkte sind eigentlich nie fertig; sie altern und reagieren auch nach der Fertigstellung, sprich, bei engem und anhaltendem Kontakt, können sie sich merklich verbinden, die Stütze klebt fest! Abhilfe: rote Dynamic-Paste, sie enthält micro-kleine Körnchen, die zwar die nötige Reibung vermitteln, den hautengen ( Reaktions ) Kontakt aber verhindern. Verhütung im Sattelrohr! Dynamic F-023 C, Tüte mit Inhalt für 1 Carbonstütze oder mehr, 1,50 €.
 
3) Langsamdrehende Lager wie Steuersatz brauchen ein sehr druckstabiles Fett, dass sich auch nach einem Jahr nicht verabschiedet hat. Allerdings sei dringend geraten, den Steuersatz jeden Frühling zu überholen: reinigen, neu fetten, bei bestimmten Bautypen untere Lagerschale um 90° drehen. Fett pur, z.B. Autol Top 2000, salzwasserbeständig und biestig klebend, in der 500 Gramm Tube zu 10 €.
 
4) Mittelschnell drehende Lager wie Innenlager oder Pedale sollten leichter laufen und benötigen deshalb ein Fett geringerer Viskosität. Damit nicht ständig neue Fette gebraucht werden, hat es sich in der Praxis bewährt, ein sicheres Fett hoher Haftung mit einem Öl zu mischen: das Fett bringt die Sicherheit, das Öl den leichteren Lauf. Dazu nehmen wir Autol Top 2000 als Gemisch mit Motoröl 2:1.
 
5) Nabenlager drehen sich noch schneller. Hier kommt Fett zu Öl im Verhältnis 1:1 zum Einsatz.
 
6) Einige anspruchsvolle Kunden pflegen und erneuern die Schmierung der Freilaufkörper. Mit den NOVATEC – Naben ist dies besonders einfach, da einem keine losen Teile entgegenkommen. Ein Teil Fett mit 2 Teilen Öl sorgt hier für optimalen Leichtlauf und geringes Geräusch. Hier ist darauf zu achten, dass diese Mischung leider nicht ewig in dem Bereich der Sperrklinken und Verzahnung bleibt, da sie ( gewünschterweise ) gut geht. Also werden wir unsere Ohren aufmachen, wann sich das Geräusch in Richtung auf metallisch-härter ändert und dann die Schmierung erneuern. Wer weniger Wartung wünscht, muss den Fettanteil erhöhen und den Ölanteil senken, das kostet aber in der Abfahrt wenige ka-emm-ha.
 
7) Ketten brauchen zum Leichtlauf Öl, kein Fett. Wer Oslo – Trondheim im Dauerregen fährt, braucht Fett, kein Öl. Vive la difference. Mit Ketten-Fettern rede ich ungern, aber das ist vielleicht mein Problem. Öl geht gut, Öl ist gut sauberzumachen, Öl nimmt den Dreck mit, wenn Fett ihn festhält, und Öl fliegt schön auf die Hinterradfelge und vermindert dort auf segensreiche Art und Weise den Bremsflanken-Verschleiss, OHNE die Bremswirkung zu stören. So, why don't you oil? Und welches Öl jetzt? Im Sommer Motoröl 30W oder 20W50, das ist etwas dicker und fliegt nicht so schnell weg. Im Winter Motoröl 10W oder 5W30, das ist dann nicht so zäh und macht uns schneller / weniger langsam, denn die tiefen Temperaturen bremsen unsere Muckis ja schon genug. Und wer das ganze Jahr 15W40 tankt, kann das auch das ganze Jahr auf die Kette schütten.
 
8) Der Einsatz von Silikonöl ist nur bei Wettbewerben mir absehbarem Regen empfohlen, weil es einfach nur teuer ist. Es ist zugegebenerweise gut und bietet mehr Sicherheit als Mineralöl, aber der Literpreis ist auch entsprechend. An Gelenken von Bremsen und Schaltung ist die Wirkung hoch, der Verbrauch gering. Also der Nutzen gross.
 
9) Ein paar Worte zu Titandioxid: Mir fehlt jegliche Basis zu behaupten, dass dieses Mittel schlecht ist. Aber ich persönlich mag zwei Eigenschaften nicht: Wenn alles neu und sauber und TiO2 gefettet ist, und das Lager sich NICHT absolut glatt anfühlt, weiss ich nicht, woran ich bin. Es gibt eine Farbe von Lagerungen, die ich noch nie mochte, und das ist grau. Konventionelles Fett ist honigfarben, rot, braun, gelbgrün, manchmal schwarz. Im Gebrauch werden Lagerfette durch Abrieb dunkler. Wenn ein konventionell geschmiertes Lager GRAU ist, ist es hinüber, darauf ist Verlass. Wenn ein TiO2 geschmiertes Lager grau ist, weiss ich nichts. Also lasse ich das, denn ich möchte beim Anblick eines Lagers sehen, was Sache ist.
 
10) Zum Schluss noch einmal die fast unglaubliche Variante der Kettenreinigung: Autoschwamm, heisses Wasser, viel Spülmittel, und dann eine kräftige ( Quer ) - Abreibung, bis die Kette aussieht wie neu. Abtropfen lassen,
10-20 min, neu ölen, fertig.
 
Viel Spass mit allzeit gut flutschenden Teilen wünscht maro moskopp
 
Zurück zur Startseite